Philip Rudjeanski, Modedesigner und Gründer von BALAGANS auf der Ethical Fashion Show Berlin

Gitarrensound und Männergesang ertönen durch die Halle der Ethical Fashion Show Berlin. Das Denim Label BALAGANS aus Hannover und das Magazin SPORTSWEAR INTERNATIONAL laden zur Kreativ Session “Bring Your Own Denim to the Patch Work Customizing Station” und zum geselligen Get-together ein. Mittendrin Phillip Rudjeanski, der eigentlich Rudzinski heißt und Gründer von BALAGANS ist. Am nächsten Tag treffen wir ihn in gemütlicher Atmosphäre wieder.

puristica: Erzähl uns doch mal etwas über BALAGANS! Was ist das Besondere an euch?

Philip: Gegründet wurde BALAGANS 2011 als Experiment. Wir wollten mit dem Stoff Denim experimentieren und uns so Zugang zu den unzähligen Design-Möglichkeiten verschaffen. Zuvor war es nur ein studentisches Projekt innerhalb meines Modedesign-Studiums, das sich mit Waschungsverfahren und den daraus resultierenden optischen Effekten von Denim beschäftigte. Doch danach war ich noch immer fasziniert und wollte weitermachen und einige Kommilitonen waren ebenso begeistert von der Idee. Heute arbeiten wir zusammen im Atelier. Aber wirklich jeder ist eingeladen mitzumachen. Wir haben so eine Art “Open Door Politik”; da wir Kunst, Kreativität, Handwerk und Design für alle zugänglich und erfahrbar machen möchten. Jeder darf ausprobieren und miterleben was es bedeutet etwas zu erschaffen. Bei uns gibt es keine Beschränkung: Künstler, Streetkids, jedes Alter, alle Nationalitäten – jeder ist willkommen! Man bezeichnete uns auch schon als Social Modelabel. Aber ein Label oder Brand wollen wir eigentlich gar nicht sein. Die Authentizität, der künstlerisch-kreative Schaffensprozess ist das wichtigste und nicht das Markenbewusstsein. 

puristica: Hat BALAGANS eine bestimmte Bedeutung? Klingt fast wie ein Kunstwort…

Philip: Es ist ein Begriff aus dem osteuropäischen Raum. Er bedeutet in etwa “sympathisches Chaos”. Im Prinzip spiegelt er genau das wider was wir machen: Ein kreativ-handwerkliches Chaos, eine intuitive Schaffenskraft von der wir uns leiten lassen und auf die wir uns einlassen, um daraus Kunst entstehen zu lassen. Auch in unserer “Gypsy-Mentalität” zeigt sich das. Wir haben viele Projekte mit anderen Künstlers, Brands und Unternehmen. Deshalb sind wir auch oft unterwegs und so entstehen immer wieder neue kreative Ideen und Prozesse. Wir hatten zum Beispiel bereits Kooperationen mit Street Art Künstlern wie Ju Mu Monster und Krashkid. Aber auch Birkenstock, Reebok oder Dr. Martens.

puristica: Ihr präsentiert euch hier auf der Ethical Fashion Show Berlin. Warum positioniert ihr euch im Segment Slow Fashion? 

Philip: Es liegt uns viel daran etwas von dem was wir machen und können weiterzugeben. Zu uns kommen oft Jugendliche, die ihre freie Zeit sinnvoll bei uns verbringen. So können wir ihnen einen nachhaltigen Zugang zu ihrer eigenen Kreativität und zum Handwerklichen ermöglichen, ihnen Mut machen das zu entfalten. In meiner Jugend wurde ich selbst nicht so sehr in meiner Kreativität gefördert  und weiß wie es ist, wenn Eltern sich einen “ordentlichen” Beruf für ihre Kinder wünschen. Deshalb liegt

mir etwas daran individuelles Potential zu fördern und Freiräume dafür zu geben. Natürlich ist auch der Prozess in der Gemeinschaft, der Austausch sehr wichtig. Hinter jedem unserer Designs steht eine intensive Hingabe und Auseinandersetzung mit allen Faktoren: Es ist also nicht einfach nur ein “seelenloses” Produkt, sondern eine ganz besondere, wertvolle Beziehung dazu. Wir machen in unserem Atelier alles selbst von der Hand: Färbung, Veredlung, Waschung, Design, Zuschnitt, Fertigung – lediglich das Rohmaterial wird uns als Basis geliefert. Das Bewusstsein für ein Kleidungsstück ist viel bedeutsamer als es bei Massenware der Fall ist. Jedes Stück ist bei uns ein Unikat mit seiner eigenen Geschichte und Existenz. Wir haben sogar ein “Design Manifest”, anhand dessen wir uns selbst überprüfen können, ob wir alle Werte-Kriterien, die wir bei der Entstehung unserer Werke beachten wollen, auch tatsächlich eingehalten haben. Das sind 1. Leidenschaft für Denim, 2. Mut zum Experiment, 3. Liebe zum Handwerk und 4. Inspiriert von der Straße. 

puristica: Kannst du dich noch daran erinnern, wann du die Leidenschaft für Denim und Handwerkskunst für dich entdeckt hast?

Philip: Denim fand ich schon als Teenie ziemlich gut. Es begeisterte mich. Als sportlicher Typ gehörten Jeans natürlich immer dazu. Die Liebe zum Handwerk habe ich aber erst durch ein Praktikum bei Stefán Orschel-Read entdeckt. Er hat unter anderem auch Kostüme für Lady Gaga entworfen. Seine Arbeitensind von großem handwerklichen Können geprägt und die gesamten Kollektionen, von Design bis Fertigung, entstehen in seinem Londener Atelier. Diese Zeit hat mich maßgeblich geprägt und inspiriert. Ich bin glücklich diese beiden Elemente miteinander verbinden zu können und nicht nur davon träumen zu müssen. Einigen Menschen reicht die Phantasie darüber, das zu machen wovon sie träumen. Andere müssen sie ausleben, um sich 100 Prozent selbst verwirklichen zu können. Dazu gehöre auch ich.

Derzeit könnt ihr die Denimwerke im FLAGSHIP STORE | STUDIO183 | BRUNNENSTR. 183 | 10119 BERLIN MITTE oder über direkt über INFO@BALAGANS.DE erwerben.

atelier-balagans.de

 

 

 

 

 

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BALAGANS || Philip Rudjeanski : Denim Couture als experimentelles Kunstwerk
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