Hinter dem Mannheimer Eco Fashion Label soome stehen gleich drei Frauen. Das sind Jessica Padmanabhan, Helga Behrmann und Christiane Illies, die ein und dasselbe Ziel verfolgen: Die Welt mit ihrer Schneiderkunst Stich für Stich ein bisschen besser zu gestalten. Sie verbindet die Liebe zum klassischen Schneiderhandwerk, Mode- und Grafikdesign sowie sozialem und ökologischem Bewusstsein. puristica im Interview mit den drei Designerinnen:

Die drei soome Designerinnen Helga Behrmann (v.l.), Christiane Illius (h.r.) und Jessica Padmanabhan (v.r.)

puristica: Ihr habt euch dazu entschlossen zu dritt euer Modelabel soome zu führen. Trifft auf euch “Gleich und gleich gesellt sich gern.” oder “Gegensätze ziehen sich an.” eher zu? 

Helga: Für mich ist soome unser Gemeinschaftsprojekt, wobei jede zunächst ihre Wünsche und Vorstellungen einbringt. Jede hat einen anderen Background, einen anderen Lebensstil und andere Erfahrungen, aber wir haben ziemlich ähnliche Wertvorstellungen zu Berufsethik, Moral und Nachhaltigkeit. Das vereint uns.

Christiane: Ich denke bei uns trifft beides zu. Einerseits verfolgen wir ein Ziel, kommen alle aus dem Designbereich, haben uns auch da kennengelernt: beim Studium der Visuellen Kommunikation. Die Idee, etwas gemeinsam zu machen, resultierte schließlich aus der Liebe zur Gestaltung und dem Faible für Nachhaltigkeit. Zufällig kamen Helga und ich auch noch aus der Modebranche, wir wollten etwas mit Bestand machen und da lag es nahe, Mode zu machen. Bei unseren Charakteren sind wir ganz unterschiedlich, da trifft wahrscheinlich eher zu Gegensätze ziehen sich an ;-). Das ist auch nicht immer ganz leicht, aber macht es spannend!

Jessica: Die Gegensätze sind manchmal auch unsere persönlichen Stärken, würde ich sagen. Christiane beherrscht das kreative Chaos. Sie schafft es immer wieder, uns „über Nacht“ mit einer ganzen Kollektion zu überraschen. Helga ist unsere Qualitätsmanagerin. Sie ist bedacht und Perfektionistin in der Verarbeitung. Wenn es nicht passt, lässt sie alles wieder auftrennen, da kennt sie nichts. Naja, und ich bin irgendwo dazwischen, versuche alles in strukturierte Bahnen zu lenken und einen Rahmen drumrum zu schaffen.

puristica: Entwickelt ihr eure Kollektionen von Anfang bis Ende immer zusammen? 

Christiane: Bei uns hat jede in allem ein Mitspracherecht und die wichtigen Dinge aller Belange beschließen wir gemeinsam. Bei der Kollektionsentwicklung ist das nicht immer möglich. Da ich am ehesten eine Vorliebe für Trends und Recherche habe, entwickle ich im Allgemeinen die Grundideen und schlage eine Linie vor, die wir dann gemeinsam abstimmen. Dann geht es an die Prototypenfertigung, da ist Helga diejenige, die die Marschrichtung vorgibt, und wir stimmen zu oder finden gemeinsam eine bessere Lösung. Bei der Inszenierung im Shooting ist dann Jessi der Teamleader.

puristica: soome ist eine Wortkreation aus social, organic, original und me. Dahinter verbirgt sich euer ganz persönliches Konzept und eure Philosophie. Was bedeutet das für eure Kundinnen?

Christiane: In erster Linie können unsere Kundinnen sicher sein, dass ihre Lieblingsstücke unter sozial korrekten Bedingungen hergestellt werden, und zwar hier in Deutschland. Weiterhin sind alle unsere Teile mit zertifizierten Biostoffen oder hochwertigen Naturstoffen aus europäischer Herstellung und Färbung gefertigt. Selbst bei den Zutaten schauen wir immer nach dem nachhaltigsten Standard, der möglich ist. Und schließlich sind die Stücke Originale, d.h wir fertigen limitierte Stückzahlen. Auf Wunsch auch individuell an die Körpermaßen der Kundinnen angepasst. So dass jede Kundin sagen kann: “Das Kleid von soome ist (wie) für mich gemacht!”

puristica: Vor Kurzem habt ihr euch euren Traum erfüllt und den ersten soome Showroom eröffnet. Wie stellt ihr euch eure (Lieblings-)Kundinnen vor? 

Helga: Meine Lieblingskundin zeichnet sich eher durch innere Attribute als durch ihre äußerliche Erscheinung aus. Sie ist offen, humorvoll, unvoreingenommen und steht zu ihrem Körper, ihn dann einzukleiden, das sehe ich als meine Aufgabe. Ich persönlich mag feminine Rundungen und packe sie gerne in unsere wunderschönen Kleider.

Christiane: Ich denke das kommt ganz auf die Frau an! Wir würden das immer von dem individuellen Typ und deren Wünschen abhängig machen, schließlich soll die Kundin sich wohl fühlen. Nichtsdestotrotz versuchen wir natürlich immer ihre speziellen Vorzüge zu unterstreichen. Am schönsten sind natürlich individuelle Maßanfertigungen die uns im Gespräch mit der Kundin durch den Kopf gehen. Immer im elegant zurückhaltenden soome-Stil versteht sich ;-).

Jessica: Meine Lieblingskundin ist überzeugt von dem Konzept, begeisterungsfähig und trägt lässig elegant. Sodass es Spaß macht mit ihr die Sachen zu probieren.

Mit dem ersten Eco-Dirndl “Teresa” habt ihr einen Meilenstein ins Rollen gebracht. Seid ihr denn auch so richtige Wiesn-Madels? 

Jessica Padmanabhan im soome EcoDirndl “Teresa”

Jessica: Der Prototyp in unserem „Lifecircle-Stoff“ ist auf mich zugeschnitten worden. Anlass war ein 50er Geburtstag im Odenwald. Ich war als Kind selbst in einer Trachtengruppe, obwohl das in unserer Region eher untypisch ist. Aber mittlerweile gibt es ja an jeder Ecke ein Frühlingsfest oder Wiesnfest, und auch auf einem Pfälzer Weinfest sieht man immer mehr Dirndl. Das besondere an unserem Dirndl ist neben den GOTS zertifizierten Materialien auch der ungewöhnliche Stoff. Es fällt auf, und kam schon super an :-).

Christiane: Man soll nie nie sagen. Ich denke, da kommen meine bayrischen Wurzeln ans Tageslicht. Ich liebe von Kindheit an Dirndl, sie sind so herrlich feminin. Die Wiesn ist eher nichts für mich, aber ein Dirndl lässt sich doch noch zu viel mehr Anlässen tragen. Wichtig ist uns eine schlichte Eleganz mit dezenten verspielen Details und ein Hauch von Tradition in der Verarbeitung und vor allem die Länge! Ein Dirndl gehört bis zum Knie, mindestens!

puristica: “Ethno meets classic casual” heißt eure Inspirationen für den nächsten Frühling/Sommer 2017. Was steckt dahinter? 

Christiane: In unserer gesamten Linie arbeiten wir sehr klassisch feminin. Den kommenden Sommer sehen wir in kräftigen, warmen Tönen. Die Steppe Afrikas inspirierte zur Farbpalette. Eines unserer Lieblingsmaterialien ist der Leinenstrick, der so herrlich kühlend und fließend ist. Man trägt ihn einfach gerne. Obwohl lässig geschnitten ist es ein sehr edles Material. Diese lässige Eleganz paart sich hervorragend mit den dezenten Ethnoelementen in Form von Mustern und handgefertigten Kupferelementen aus kleinen afrikanischen Manufakturen. 

puristica: Zum Abschluss sind wir natürlich auf die Zukunft gespannt und möchten gerne wissen, was das nächste große Etappenziel von soome ist?

Jessica: Etappenziel kann man es vielleicht nicht nennen, weil wir kontinuierlich an Optimierungen arbeiten. Wir arbeiten verstärkt an unserer Preisstruktur und den Arbeitsabläufen. Parallel wollen wir besonders in unserer Region das Bewusstsein für nachhaltige Mode und bewussten Konsum schärfen. Das heisst wir fokussieren uns mehr auf regionale Tätigkeiten. Unser Showroom liegt in einem tollen Gebäude und bietet viele Möglichkeiten, sodass wir gerne anderen Labels eine Plattform bieten möchten. Alle zwei Monate wollen wir ein oder zwei Labels einladen, um sich dort für zwei Monate zu präsentieren. Wir machen eine kleine Veranstaltung dazu, sodass ein guter Austausch stattfinden kann. Ich stelle mir das toll vor, mal sehen ob es auch funktioniert…

soome_puristica
Frühlings-/Sommerkollektion 2017, Photos by soome
RSS
Facebook
Instagram
Markiert in:             

One thought on “*** Drei Frauen, eine Leidenschaft… *** soome – social. organic. original.

  • Oktober 12, 2016 um 5:30 am
    Permalink

    In Mannheim legt die Kreativwirtschaft in den letzten Jahren mächtig zu. Prima Label, wir würden uns freuen wenn ihr mal Kontakt mit uns aufnehmt 😉

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.