Auf der Ethical Fashion Show Berlin und dem Green Showroom trafen wir in der Presse Lounge ganz zufällig Pola Fendel. Sie gründete mit ihrer Freundin Thekla Wilkening die KLEIDEREI, ein Abo-Leihservice für Kleidung und ein Geschäftsmodell wie kein zweites in Deutschland. Immer wieder brandneue Lieblingsteile im Kleiderschrank haben und weniger Geld fürs Shoppen ausgeben: Ein lang ersehnter Traum für Modebegeisterte und Slow Fashion Lovers wird wahr!

Pola Fendel, Inhaberin Kleiderei

puristica: Für diejenigen, die euch noch nicht kennen: Erklärst du bitte kurz das Prinzip der Kleiderei? 

Pola: Zunächst meldet man sich bei uns an und füllt unseren Fragebogen aus, damit wir ein möglichst genaues Bild über die Person erhalten. Dann werden von dem Abonnenten noch Lieblingsteile geherzt und auf seine sogenannte Lovelist gesetzt. Wenn die Teile frei sind, bekommt man sie oder alternativ ähnliche Stücke zugeschickt. Nach Ablauf des Monats sollten die Sachen wieder zu uns geschickt werden, damit ein neues Paket losgeschickt werden kann. Wem etwas ganz besonders gut gefällt, der kann es länger behalten oder sogar kaufen. Der Kunde bezahlt für diesen Leihservice 34 € für vier Teile im Monat. Neben der Kleiderei online haben wir auch noch in Hamburg und Köln richtige Stores. Ab und zu gibt es auch Pop Up Stores wie schon in Berlin oder aktuell in Hamburg für Männermode. 

puristica: Welche Kleidungsstücke führt ihr in eurem Sortiment? Sind das nur Designerstücke, Second Hand oder…?

Pola: Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben zum Beispiel eine Kooperation mit Hamburger Jungdesignern und anderen nachhaltigen Designerlabels aus Deutschland. So können unsere Kunden die Sachen ausprobieren und lernen auch die Labels besser kennen. Dann haben wir echte Vintagekleidung und gut verlesene Secondhandsachen. Dazu gehören auch die von größeren Modeketten. Insgesamt sind es cira 4000 Teile. Allerdings haben wir momentan hauptsächlich Frauenkleidung im festen Bestand. Bei den Männern ist alles gerade in Arbeit. Da findet man online noch nichts. 

puristica: Wie seid ihr auf so ein geniales aber doch eigentlich einfaches Konzept gekommen? 

Pola: Ich bin selbst eine große Fashionliebhaberin und möchte mich am liebsten jeden Tag neu erfinden, einen neuen Stil ausprobieren. Da bin ich sehr von meinen Emotionen geleitet. Das führte langfristig zu einem überfüllten Kleiderschrank und der Frage, was aus all diesen Kleidern werden soll. Kein Platz mehr, zu schade zum Wegwerfen und wer weiß, ob es nicht doch irgendwann mal wieder angezogen wird. Shopping geht auf Dauer auch ins Geld und weggeworfene Kleidung produziert textilen Müll. Meinen Freunden ging es genauso und ich denke, viele wissen genau wovon ich rede. Thekla und ich haben unsere Köpfe zusammen gesteckt und da lag die spontane Idee eines Leihservices für Mode nicht mehr weit entfernt. Ähnlich dem Prinzip einer Bücherei sollte es sei. So wurde dann auch gleich der Name geboren: Eine Wortschöpfung aus Kleider und Bücherei = Kleiderei.  

puristica: Wie gestalteten sich die ersten Gehversuche? Welche Erfolgserlebnisse und Stolpersteine haben euch anfänglich begleitet?

Pola: Zunächst war das ganze nur als Freizeitprojekt geplant. Keiner konnte damals wissen, wohin die Reise geht und niemand hätte mit so viel positiver Rückmeldung gerechnet. Man darf auch nicht vergessen, dass wir keinerlei Erfahrung mit dem Managen eines Unternehmens hatten. Thekla kommt aus dem Modebranche und ich habe Kunst studiert. Wir mussten uns also vieles erarbeiten und natürlich haben wir einiges dazu gelernt – auch durch unsere “Fehler”. Aber wir haben es einfach gemacht und ausprobiert. Durch den direkten Kundenkontakt haben wir auch vieles von den Bedürfnissen unserer Kunden erfahren und dieses Wissen umgesetzt. Unser erster Store bestand nur aus unseren eigenen Kleiderschränken und denen unserer Familien und Freunden. Weil unser Konzept aber so neu und sogar deutschlandweit das erste ist, bekamen wir auch viel Publicity, die uns auf jeden Fall geholfen hat Fuß zu fassen. Dann sind wir online gegangen. Wir waren sogar bei der TV-Sendung “Die Höhle der Löwen” und stellten uns dort mit unserem Konzept vor. Keiner der Löwen glaubte an uns, doch wir haben uns davon nicht entmutigen lassen. Im Gegenteil: Wir haben die Zeit zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung genutzt, um uns zu verbessern. Innerhalb von sechs Monaten haben wir unseren Service und die Seite auf dem Kopf gestellt. Die Rechnung ging auf und wir hatten einen regelrechten Ansturm. Da haben wir uns gefreut.  

puristica: Nie wieder shoppen? Ist die Kleiderei eine Alternative zum konventionellen Konsumverhalten und wer sind eure Kunden?

Pola: Ich würde sagen, die Kleiderei bietet sich an, um den eigenen Kleiderschrank zu ergänzen. Es sind  Add On Pieces, die für Abwechslung sorgen. Gänzlich ersetzen können sie den Kleiderschrank nicht. Unsere Kunden haben vor allem eine Gemeinsamkeit: Sie suchen eine Alternative zum Fast Fashion Konsum und wahrscheinlich auch ein neuartiges Modeerlebnis. Darunter finden sich viele kreative Berufsgruppen, die offen für neue Konzepte sind. Aber auch auffallend viele Businessfrauen, die in ihrem Job natürlich modisch abwechslungsreich auftreten möchten, gehören dazu. Sie nutzen unseren Service gerne. Fast jedes Alter ist vertreten, doch die Gruppe um die Vierzigjährigen ist am größten. 

puristica: Was ist denn die lustigste Geschichte, die du bei der Kleiderei bisher erlebt hast?

Pola: Wir erleben jeden Tag lustige Geschichten. Da die Beziehung zu unseren Kunden sehr herzlich ist, lassen sie uns gerne an ihrem Leben teilhaben. Sie erzählen uns ihre ganz persönlichen Geschichten, die sie in den Sachen von uns erlebt haben. Jedes Kleidungsstück kann also von seinen ganz eigenen Erlebnissen berichten: das Traumdate, der perfekte Urlaub, der himmlische Kuss. Es wurde sogar schon in unseren Kleider geheiratet. Oft bekommen wir dann auch Fotos davon zugeschickt. Ich erinnere mich auch gerne an eine ältere Lady, die uns ihre wohl behütete Vintage-Garderobe schenkte. Kurz darauf besuchte uns das Hamburger Abendblatt und machte Fotos von unserem Laden. Am nächsten Tag kam die Lady wieder und erzählte begeistert, dass sie ihren Hut in der Zeitung gesehen hat. Das machte sie sehr glücklich und auch ein bisschen Stolz auf diesen Hut, der zuvor fast ohne Beachtung bei ihr herum lag. Das fand ich sooo süß! Solche Momente der geteilten Freude zeigen das wofür wir stehen möchten: Teilen statt besitzen. Leihen statt kaufen. 

Auch neugierig geworden auf die Kleiderei? Dann probiert es doch auch Mal aus. Pola, Thekla und das gesamte Team freuen sich sicher schon auf euch 🙂

kleiderei.com

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