Die ZEITmagazin Konferenz “Mode & Stil” in Kooperation mit VOGUE widmete sich dieses Mal dem Thema //NEW ORDER//. Persönlichkeiten der Mode- und Magazinindustrie wurden von den Organisatoren Christoph Amend, Tillmann Prüfer und Christiane Arp zu Gesprächen und Diskussionen eingeladen, um das neue System der Branche zu erörtern. puristica war zu Gast und fasst die besten Statements für euch zusammen:

Die Profiteure von einst werden durch die neuen Influencer verdrängt

Tilman Prüter, Style Director und Mitglied der Chefredaktion ZEITmagazin, warf zunächst einen Blick auf die “alte Ordnung” der Modewirtschaft, in der nur wenige Labels die Modewelt definierten, zwei Mal im Jahr ihre Kollektionen vor einem exklusiven Publikum präsentierten, diese dann in Modestrecken in Printmagazinen veröffentlichten und schließlich durch die Modehäuser in den Handel kamen. Alles entsprach einem harmonischen Kreislauf, einem organischen Gleichgewicht – alles war verlässlich! Plötzlich der Wandel: neue Märkte öffnen sich, neue Geschäftsmodelle entstehen, größere Bilderwelten wirken durch die digitale Vernetzung, durch Social Media auf uns ein. Die Profiteure von einst werden durch die neuen Influencer verdrängt. Nun sind sie es, die die Mode und den Stil vorgeben. Mode ist zu einer globalen Sprache herangewachsen, die in einer ständigen Veränderung lebt, weil sie keine Konstante mehr bilden kann und auch nicht mehr kalkulierbar ist. Sie ist vielmehr zu einem unwahrscheinlichen, grandiosen Wechselspiel geworden, bei dem man als Marktteilnehmer nicht die Rolle des Opfers, sondern die des (Mit-)Machers übernehmen sollte.

Mode ist nicht mehr länger exklusiv sondern inklusiv

Daniel Marks, Partner und Chief Creative Officer vom The Communication Store, der maßgeblich für den Erfolg der Fashion Week London verantwortlich ist, bezieht sogar den gesamten Designprozess in seine Strategie ein: Es ist nicht mehr länger die fertige Kollektion, die als Basis der Kommunizierbarkeit in der PR benötigt wird. Vielmehr wird das Potential schon viel früher erkannt und die Geschichte von Anfang an erzählt und so als Schlüssel zum Markterfolg gesehen. Mode ist also nicht mehr länger exklusiv sondern inklusiv. Um neue Kommunikationskanäle zu erkennen, sollte sich die Modegemeinde gegenüber kulturellen und kreativen Bereichen stets offen zeigen und sich auf Kooperationen und Diskussionen einlassen.

Sich in das Bewusstsein der Modekonsumenten einen festen Platz zu sichern

Ganz anders geht es zu bei Oliver Reichert, CEO der Birkenstock Group, der von der konventionellen Seele des Traditionsunternehmen erzählt. Birkenstock ist einer der wenigen Globalplayer, die es fast ganz ohne Anpassung an den Wandel geschafft haben, sich in das Bewusstsein der Modekonsumenten einen festen Platz zu sichern. Wie machen die das nur? Das Erfolgsrezept ist relativ simpel: Man nehme das gleiche, schon damals vor vielen Jahrzehnten bis zum Maximum ausgereifte Fußbett und füge Riemen in variierenden Designs und Farben hinzu. Fertig ist der Klassiker Birkenstock! Darauf ist noch immer Verlass, denn wir wissen was uns erwartet und genau das ist der Grund warum die Schuhmarke in festen Intervallen immer Mal wieder zum Trend wird – ganz ohne medialen Tamtam!

Kein Business ohne Kreativität und umgekehrt

Imran Amed, Founder und CEO von The Business of Fashion (BOF), Harvard-Absolvent und ehemaliger Mitarbeiter bei McKinsey sieht die neue Ordnung als Spiegelung der Kultur und auch nicht länger als Exklusivität. Er vergleicht die neue Modewelt mit einem Öko-Kosmos, in dem jeder seinen Beitrag für ein funktionierendes, nachhaltiges System leiste. Aus seiner Sicht besteht die Zukunft also aus der Verbindung von Charakteren aus allen Bereichen der Mode und nicht aus Brandhype oder Streben nach Luxusmodegütern. Genau das hat er mit seiner Website BOF verwirklicht und vereint dort die kreative Modecommunity mit der businessorientierten Modeindustrie. Kein Business ohne Kreativität und umgekehrt! In seiner eigenen BOF-Kolumne “Right Brain Left Brain” schreibt er darüber.

Was wir nicht brauchen, wird verschwinden

Ross Lovegrove, Industrial Designer bei Lovegrove Studios, schöpft bei der Suche nach seinen Designs aus der Einfachheit der Natur. Er beobachtet, berührt und lernt von der organischen Materie. Jedes Material hat seinen eigenen Geist. Wenn er designt, denkt er nicht über Design, sondern über naturreine Formen nach, die ihn zu kreativen Ideen verhelfen. So wie die Natur Überflüssiges in einem natürlichen Prozess beseitigt, so handhabt Lovegrove es auch mit seinen Designs: er reduziert, er lässt weg. Den sinkenden Wert von Luxusgütern in der Modewelt sieht er ebenso als ein solches Resultat: Was wir nicht brauchen, wird verschwinden. Die Zukunft definiert er als primitiv und lehnt damit an den Begriff “organisches Design” an, der dazu inspirieren soll der Natur zu folgen, um so Schönheit und Logik miteinander zu verbinden.

Persönlichkeiten, die authentisch sind und unabhängig denken

Deborah Needleman, Chefredakteurin The New York Times Style Magazine, empfindet die Neuerungen des Systems als zu viel des Guten: zu viele Produkte, zu viele Kollektionen, zu viele Shows. Dennoch erkennt sie einen besonderen Reiz in diesen Entwicklungen, da die Modewelt genau deshalb zu einer sehr interessanten Zeit herangewachsen ist. Bisher wurden die Regeln der Modewelt einfach zu wenig hinterfragt und als etwas Oberflächliches oder Leichtfertiges gesehen. Dabei ist es in ihren Augen eigentlich etwas tief Essentielles.  Besonders wichtig für die Mode sind Persönlichkeiten, die authentisch sind und unabhängig denken. Sie haben das Potential die Modewelt neu zu ordnen.

 

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//NEW ORDER//: ZEITmagazin Konferenz “Mode & Stil” x VOGUE
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